Vor allem für Kinder und Jugendliche, die quasi im Internetdschungel geboren wurden, sind Smartphones, Tablets und das Internet selbstverständlich.  Zunehmend verwischen sich die Grenzen zwischen on- und offline. Vor allem für Kinder und Jugendliche, die quasi im Internetdschungel geboren wurden, sind Smartphones, Tablets und das Internet selbstverständlich. Zusehends stellt sich die Frage: Wie geht die Schule mit dem technologischen Wandel um?

Dr. Klaus Rummler
Medienpädagoge, Pädagogische Hochschule (PH) Zürich

Als Generation Y oder Digital Natives werden die Kinder und Jugendlichen bezeichnet, die sich souverän im Cyberspace sich bewegen. Einerseits halten sie dort ihr selbstgestricktes soziales Umfeld auf dem Laufenden, indem sie auf Facebook schreiben, auf Instagram mit Fotos und oder selbstproduzierten Videos Geschichten posten und liken etc. Dabei wird gekonnt Storytelling praktiziert. Gleichzeitig verdichten sie ihre Gedanken auf wenige Zeichen beim Simsen oder Twittern. Verschiedene Studien belegen, dass die Schriftsprache keineswegs darunter leidet. Andererseits dokumentieren sie sich im Netz, ohne gleich ein ganzes Buch zu lesen. Wikipedia finden sie auch nicht schlecht, sind sich aber bewusst, dass es keine verlässliche Quelle ist. Brauchen sie bei den Aufgaben Hilfe, bekommen sie diese von einem Klassenkameraden per Internet.

Lernen im Umbruch
Die Frage, Ausbildung, Erziehung und Schule sollten den Bedürfnissen der Digital Natives angepasst werden, forderte der US-amerikanische Erziehungswissenschaftler Marc Prensky. Zudem verlieren die Lehranstalten die Macht über den Zeitraum, in welchem die Schüler lernen, da heutzutage überall und nach individuellem Zeitplan gelernt wird. Das mobile Lernen unterstützt die Kreativität und vermittelt Wissen indirekter als das beim traditionellen Lernen geschieht. Zugleich wird mit dem mobilen Lernen sowohl die Eigenständigkeit als auch die Kollaboration gefördert. «Die medialen Kompetenzen, die sich die Schüler im Alltag erworben haben, integrieren die Pädagogen vermehrt in die Wissensvermittlung», erklärt Medienpädagoge Dr. Klaus Rummler. Dies bedingt, dass alle Schüler dieselben Tablets erhalten oder jeder sein eigenes Gerät mitbringt. Will die Hälfte der Klasse ein YouTube-Video herunterladen, setzt das einen drahtlosen Internetzugang voraus und genügend Bandbreite. Zurzeit ist diese jedoch noch zu gering. Ebenso wichtig ist die Unterstützung der Lehrenden im Umgang mit der neuen Technologie. Denn plötzlich wandelt sich der Schüler zum Experten, beispielsweise in der Foto- oder Videobearbeitung.

Kehrseite der Medaille
Aktuell befinden sich die Schulen in Bedrängnis und müssen sich der Veränderung stellen, «weil sie durch das traditionelle Lernen an Glaubwürdigkeit einbüssen sagt Klaus Rummler». Dadurch könnten zwei parallele Welten entstehen. Genauso gegenwärtig ist die Ökonomisierung der Lehranstalt durch die Abgabe von Geräten. Daraus könnte eine ökonomische Abhängigkeit resultieren.

«Zukünftig wird uns die Frage, in welchen Kontexten Lernen stattfindet, noch mehr beschäftigen.»

Ausserdem geraten Schüler und Eltern zusätzlich unter Druck, da nun jederzeit und an jedem Ort gelernt werden kann. Ferner wird die Verantwortung stärker auf den Schüler verlagert. Bereits jetzt ist der Kalender auf dem Weg ins Gymnasium oder darin selbst dicht gepackt. Gerade bei einem solchen Pensum benötigen die Kinder und Jugendlichen Freiräume, damit sie ihre Leistung bringen, aber sich auch individuell entfalten können.

Heute und morgen
Dank der technischen Möglichkeiten wird der zu vermittelnde Stoff mit der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen kombiniert. Etwa bei der Geometrie: Ein Foto eines Winkels der Wasserleitung von Zuhause wird im Unterricht oder via Moodle diskutiert. Erfahrungen mit anderen austauschen und im Verbund Wissen aneignen, persönlich oder virtuell, liegt im Trend. «Zukünftig wird uns die Frage, in welchen Kontexten findet, Lernen statt noch mehr beschäftigen», sagt Klaus Rummler.