Herr Zeller, die Idee ist genial: Parkplätze in der Stadt sind ein rares Gut. Ein Drittel des Verkehrs in der Innenstadt stammt von Autofahrern, die Parkplätze suchen. Also fragt man bei Büros und anderen privaten Parkplätzen an, ob diese Parkplätze zu bestimmten Stunden vermietbar sind. Dann bietet man diese über eine App an. Woher stammt die Idee?

Das war der Einfall einiger Studenten, die auf Parkplatzsuche waren. So sagt es zumindest die Legende. Die Geschichte klingt schön.

Und weshalb machen Sie mit? Sie sind erfolgreich im Internet-Business. Mit dem Vermieten von Parkplätzen werden Sie aber kaum reich?

Ich bin aus Idealismus dabei. Die App war im Begriff zu straucheln, da wollte ich helfen. Aber es stimmt: Geld verdient die Firma damit noch nicht. Das ist noch nicht realistisch.

Es sind Ihre ersten Schritte in der Welt der Sharing Economy. Erklären Sie uns diese Welt!

Eine spannende Welt. Leute bieten ihre privaten Güter an, um sie besser zu amortisieren und um etwas Geld zu verdienen. Und andere mieten diese Güter, weil Qualität und Preis stimmen.

Sharing Economy hat etwas Romantisches: Sein eigenes Zeugs anbieten, teilen, zurückgeben.

Absolut. Das durfte ich zuletzt an einer Konferenz zum Thema «Sharing Economy» erleben. Allerdings musste ich schon auch mal schmunzeln.

Weshalb?

Ich frage mich manchmal schon: Weshalb betreibt diese Person «Sharing Economy»? Letztlich sollte man doch etwas dabei verdienen. Aber da gibt es Leute, die gemeinsam ihr Mittagessen kochen oder anbieten, die Einkäufe nach Hause zu bringen. Es sind nicht alles professionelle, sehr profitable Leistungen. Aber das gehört eben auch zur Sharing Economy.

Was ist denn der Hauptgrund fürs Mitmachen in der Sharing Economy?

Viele Menschen machen tatsächlich aus ideologischen Gründen mit. Sie fragen sich: Warum sollte ich ein Gut nicht teilen, wenn ich es nur einmal pro Jahr nutze? Entsprechend gross ist in dieser Welt das Spektrum an Professionalität.

Teilen Schweizerinnen und Schweizer denn gerne?

Überraschenderweise ja. Eigentlich hat man doch das Bild, dass der Schweizer lieber schnell einen neuen Bohrer kaufen geht, anstatt den Nachbar kurz zu fragen, ob er dessen Bohrer ausleihen könnte. Oder dass der Schweizer seinen Parkplatz lieber immer schön für sich frei hält, falls er ihn doch irgendwann mal brauchen sollte.

Ist dieses Bild falsch?

An der Konferenz bin ich auf viele Projekte aus der Sparte «Nachbarschaftshilfe» gestossen. Leute, die ein System aufgezogen haben, um ihre Haushaltsgeräte bei Bedarf mit den Nachbarn zu teilen. Das ist doch verblüffend und cool. So kennt man Herr und Frau Schweizer bis anhin noch gar nicht. Und eben auch die Parkplatz-App zeigt, dass viele Leute hierzulande ihre Parkplätze zu Randzeiten oder übers Wochenende gerne vermieten, um damit ein Taschengeld zu verdienen.

Womit lässt sich beim Teilen am meisten Geld verdienen?

Am wirtschaftlichsten sind vermutlich die Unternehmen, die Ferienunterkünfte anbieten. Leute vermieten ihre privaten Wohnungen, wenn diese frei stehen. Der Kunde wohnt so viel günstiger als im Hotel: Oft mit toller Lage, Reinigungsservice, etc. Ein Riesenbusiness.

Haben Sie auch selbst schon profitiert?

Klar. Ich nutze unsere Parkplatz-App. Aber auch günstigere Ferien hatte ich dank Sharing Economy schon. Ich wollte einst mit meiner Tochter nach Amsterdam. Da haben wir über eine solche Website ein Hausboot für uns alleine gefunden. Es war sauber, wir wurden von der Besitzerin herzlich empfangen, haben Tipps erhalten, wo was in der Umgebung sei und haben natürlich viel weniger bezahlt als im Hotel.

Zurück zu Ihren Parkplätzen: Die Geschichte klingt sehr simpel. Wo liegt die nächste grosse Herausforderung?

Sobald es in der Stadt viele Elektro-Fahrzeuge geben wird, ändert sich das Parken nochmals.

Weshalb?

Weil die Autofahrer dann nicht nur einen Parkplatz benötigen, sondern auch noch einen Stecker zum Aufladen. Ich habe einige Freunde mit solchen E-Fahrzeugen. Die müssen ihre Routen immer genau planen, um zu wissen, wo es Parkplätze mit Steckern gibt.

Und jetzt wollen Sie vorpreschen und an vielen Orten Stecker anbieten?

Ja. Denn ich glaube, es ist realistisch, dass in zehn Jahren 30 Prozent aller Autos E-Fahrzeuge sind.