Allerlei Bank-, Bahn- oder Identitätskarten und dazu dutzende Kundenkarten wollen täglich mit dabei sein. Also ab auf das Smartphone damit? Smartphones machen heute ein bequemes mobiles Bezahlen möglich. Dennoch bleibt das Portemonnaie ein treuer Begleiter. Allerlei Bank-, Bahn- oder Identitätskarten und dazu dutzende Kundenkarten wollen täglich mit dabei sein. Also ab auf das Smartphone damit?

Andreas Dürr
Head of Product Management, Accarda AG

Ziemlich schwer, so ein Portemonnaie. Das meiste davon ist Kleingeld, dazu ein paar Noten, Bank- und Identitätskarte, Führerausweis und ein Bahn-Abonnement. Dann noch der dicke Stapel Bons und Kundenkarten. Die meisten davon kommen nur ein paar wenige Male im Jahr zum Einsatz, sind aber täglich mit dabei.

Via Smartphone kann bereits heute über verschiedene Apps bezahlt werden. «Mobiles Bezahlen ist ein Trend, den man nicht verpassen darf. Doch mit der Zahltransaktion ist das Thema heute meistens schon abgeschlossen», sagt Andreas R. Dürr. «Dabei könnten Smartphones noch viel mehr ermöglichen.»

Alles aufs Smartphone?
Dürr ist Head of Product Management der Accarda AG. Das Unternehmen entwickelte eine App, welche die klassische Kundenkarte im Portemonnaie ersetzen kann und heute bei Manor und Jumbo im Einsatz ist. Trotzdem ist er nicht unbedingt der Meinung, dass wir unser komplettes Portemonnaie bald auf das Smartphone übertragen werden. «Es macht Sinn, Kundenkarten vollständig, zentral und schlank aufbewahren zu können. Für andere Anwendungen teilen sich die Meinungen. Alles an einem Ort zu haben heisst auch, alles auf einmal nicht verfügbar zu haben oder in fremden Händen zu wissen.»

Allerdings sieht Dürr Unmengen an noch wenig bis nicht genutzten Möglichkeiten zur Kundenbindung. Ortsabhängige Services beispielsweise, speziell aufbereitet für den jeweiligen Nutzer, den aktuellen Kontext und mit personalisierten Angeboten. «Kaufen wir künftig eine Jacke, werden wir den Code des Produkts einscannen, detaillierte Informationen dazu aufs Handy erhalten, uns die Jacke virtuell anziehen, die Farben wechseln und über soziale Medien unsere Freunde fragen, wie sie uns steht», sagt Dürr.

In näherer Zukunft erwartet er primär eine Standardisierung des Mobile Payment. «Zudem werden die ganzen Kundenbindungsprogramme mobil. Der stationäre Handel wird sich besser vernetzen und wissen, was welcher Kunde schon gekauft hat und was er oder sie im Internet gesucht oder betrachtet hat. Das ermöglicht eine differenziertere Bedienung.»

Ist das auch sicher?
Vorbehalte rund um mobiles Bezahlen und Kundenkarten auf Smartphones gibt es vor allem zum Thema Sicherheit. «Wer eine mobile Zahlungslösung entwickelt, muss der Sicherheit höchste Priorität einräumen», betont Dürr. Dazu gehören sichere Registrierungs- und Verifizierungsverfahren, Transaktionen ohne sensible persönliche Nutzerinformationen und mit kurzer Gültigkeit, ein weiteres Passwort für die App oder eine zusätzlich erforderliche PIN-Nummer für das Bezahlen höherer Beträge. «Was Hände bauen, können Hände stürzen», sagt Dürr. «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Auch Kreditkarten sind nicht hundertprozentig sicher, doch man gewöhnt sich daran, kennt die Risiken und weiss sich zu wehren. Und da mobile Zahlungs- und Kundenbindungssysteme durchaus sehr sicher gestaltet werden können, wird mit der Nutzung dieser mobilen Lösungen auch das Vertrauen in sie steigen.»