Christian Stammel
CEO Navispace AG

Wie erklären Sie einem Laien den Begriff Wearable Technologies?
Wearable Technologies sind am Körper und in Körpernähe getragene Technologien. Es handelt sich nicht nur um anziehbare Elektronik, sondern auch um Technik, die so tragbar ist, dass man sie täglich mit sich führt. Wearable Technologies beschäftigt sich mit den Technologiefeldern aktive Materialien, Sensorik, Kommunikationstechnologien und Energie.

In welcher Form gibt es bereits marktfähige Produkte?
Heute kommen die meisten marktfähigen Produkte aus dem Sportbereich wie zum Beispiel Pulsuhren mit Brustgurt, beheizbare Kleidung sowie Helmkameras. Auch Consumer-Produkte wie beispielsweise Bluetooth-Headsets sind bereits sehr weit verbreitet. Im medizinischen Bereich starten Wearable Technologies gerade so richtig durch. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich in Sachen Marktfähigkeit momentan sehr viel tut.

Wo hauptsächlich finden solche Produkte ihre Anwendung?
Der Sport und Consumer- beziehungsweise Lifestyle-Bereich ist derzeit das wohl stärkste Anwendungsgebiet. Aber in nicht allzu ferner Zukunft wird in der Medizin, ausgehend vom Bereich zwischen Medizin, Wellness und Sport, Wearable Technologies an Bedeutung gewinnen. Auch im Arbeitsschutz liegen noch weitere Potenziale.

Wo liegt ihr hauptsächlicher Nutzen?
Pauschal ist das schwer zu sagen. Im Prinzip geht es darum, den Menschen in seinen Fähigkeiten zu unterstützen und diese zu erweitern und zu verbessern. Wenn man so will, kann man das allgegenwärtige Smartphone als eine Erweiterung des Gehirns betrachten, das einem dabei hilft, auf das gesamte globale Wissen zuzugreifen und sich mehr Dinge zu merken, als man eigentlich selbst dazu im Stande wäre. Verschiedenste Sensorik-Anwendungen könnten künftig Informationen liefern, die man sonst nur beim Arzt erfahren konnte und die es erlauben, ein persönliches Monitoring oder Tracking-Anwendungen durchzuführen.

Wo liegen für Sie die zukunftsträchtigen Absatzmärkte?
Die Zukunft liegt definitiv im medizinischen Bereich. Hier können Wearable Technologies-Produkte eine echte Alternative bieten zu herkömmlichen Therapien und vor allem helfen, Kosten einzusparen. In Verbindung mit Telemetrie-Systemen sind Wearable Technologies eine viel versprechende Option im Kampf gegen chronische Erkrankungen sowie Wohlstandskrankheiten. Auch in der Gesundheitsvorsorge können Wearable Technologies-Produkte einen Beitrag leisten, indem sie neue Möglichkeiten zur Prävention bieten.

Wo sehen Sie die künftige Entwicklung im Bereich Wearable Technologies?
Die Cloud wird eine grosse Rolle spielen, da hier viele der gesammelten Körperdaten abgelegt werden können. Diese können wiederum mit Umweltinformationen kombiniert werden und somit ein wertvolles Gesamtbild an Informationen zeichnen. Auch werden die Geräte kleiner und leichter. Momentan sehen wir das Smartphone als Zentraleinheit, um Daten in die Cloud zu pushen beziehungsweise diese auch wieder abzurufen. Die Datenübertragungen und Messungen werden künftig für den Träger immer weniger bemerkbar sein und automatisch ablaufen.

Wie sehen Sie generell die Zukunftsperspektiven von Wearable Technologies?
Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft, weil wir sehen, wie das Interesse an unseren Themen wächst. Auch halten wir es für realistisch, dass bald Projekte umgesetzt werden können, die wir uns bis vor ein paar Jahren nur erträumen konnten. Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran und macht Projekte bezahlbarer und tragbarer. Auch die generelle Akzeptanz bei den Nutzern ist gestiegen, und diese Entwicklung wird weiter voranschreiten. In den Bereichen Medizin und Arbeitsschutz dürfte das Thema Zertifizierung zu reden geben. Grundsätzlich werden Wearable Technologies aber eine immer grössere Rolle spielen.