Herr Grütter, wie stark ist die Schweiz heute schon im digitalen Bereich?

Die Schweiz belegt in entsprechenden Umfragen regelmässig Topplatzierungen. Im Fintech-Bereich sind wir Leader, ebenso auf dem «Internet of Things»-Gebiet. Im Bereich der Netzwerktechnologien, konkret der neuen Mobilfunktechnologie 5G, besteht hingegen die Gefahr, dass wir ins Hintertreffen geraten.

Welche Rahmenbedingungen braucht es für eine erfolgreiche digitale Schweiz?

Wir dürfen nicht mit Überregulierung beginnen, sei dies in der Wettbewerbsgesetzgebung oder in der Fernmeldegesetzgebung.

Für eine dynamische Entwicklung der Digitalisierung braucht es vor allem Freiraum für die Wirtschaft und Gesellschaft, für Innovationen und Forschung. Gleichzeitig müssen wir optimale Bedingungen für Investitionen in Industrie und Wirtschaft schaffen, denn sie sind entscheidende Rahmenbedingungen für Innovationen.

Dies gilt auch für die Netzwerkinfrastruktur: Der Bund muss hier optimale Rahmenbedingungen schaffen, damit die Mobilfunknetze rasch mit 5G modernisiert werden können.

Wo sehen Sie die nächsten grossen Schritte?

Aus meiner Sicht stehen im Medizinbereich grosse Schritte bevor, etwa in der Chirurgie, wo heute schon zunehmend Roboter eingesetzt werden. Ein weiterer Schritt wird der Durchbruch der Blockchain-Technologie über die Finanzbranche hinaus sein.

Das Internet der Dinge ist ein Eldorado für Hacker, weshalb die Sicherheitsthematik zunehmend eine zentrale Rolle spielen wird. Diese wurde bislang eher stiefmütterlich behandelt und bekommt jetzt grosses Gewicht. Zentral ist der rasche Aufbau der neuen Mobilfunktechnologie 5G. Sie bringt ganz neue Möglichkeiten und wird zur eigentlichen Basistechnologie der Digitalisierung.

Welche Neuerungen wird uns die Informationstechnologie in den nächsten zehn Jahren bringen?

Die neuen Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien haben bereits zu einem grundlegenden Wandel in der Wirtschaft geführt.

Grosse Veränderungen erwarte ich im Bereich Internet of Things: Hier wird in den nächsten Jahren die totale Vernetzung, also die Integration der Netzwerktechnologien in allen Wirtschaftsbereichen, stattfinden. Vernetzte und oftmals auch mobile Geräte und Sensoren ermöglichen dann den permanenten Datenaustausch zwischen Herstellern, Verkäufern und Kunden.